Pressemitteilung

Kooperationen zwischen NGOs und Wirtschaft: Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe? – ANU Bundesverband und E.ON diskutieren mit Kritikern über gemeinsames Leuchtpol-Projekt

Berlin. 22. April 2010. „Nachhaltige Entwicklung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht ohne die Wirtschaft realisierbar ist“. Bei dieser Aussage waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion trotz unterschiedlicher Grundinteressen weitgehend einig. Wenn sich aber Konzerne mit NGOs zusammentun und etwa als Sponsoren gemeinnützige Projekte unterstützen, stellen viele Kritiker die Frage nach Glaubwürdigkeit und Transparenz. Ob und wie eine Zusammenarbeit zwischen Partnern mit grundlegend unterschiedlichen Ansprüchen und Zielen funktionieren kann, darüber diskutierten am 22. April sechs Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Verbände, Unternehmen und Medien. Eingeladen zum Streitgespräch in der Neuen Mälzerei in Berlin hatte die gemeinnützige Gesellschaft Leuchtpol, die von der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. (ANU) ins Leben gerufen wurde und vom Energiekonzern E.ON finanziert wird.

Unter dem Titel „Partnerschaften unter Hochspannung?“ entflammte schnell eine spannungsreiche Diskussion. Annette Dieckmann vom ANU-Bundesverband hob die vertraglichen Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit hervor, die ihrem Verband eine klare Unabhängigkeit von E.ON gewährleistet: „Zum einen liegt die Verantwortung für das pädagogische Konzept ausschließlich bei Leuchtpol, E.ON nimmt hier keinerlei Einfluss. Zum anderen verzichtet E.ON auf jegliche klassische Werbemaßnahmen und die Unabhängigkeit der ANU in ihren Aktivitäten und politischen Grundaussagen bleibt bestehen.

Dass sein Konzern ein Energie- aber kein Bildungsexperte ist, betonte Christoph Dänzer-Vanotti, Vorstandsmitglied der E.ON AG: „Wir haben für dieses Projekt bewusst einen Partner gesucht, denn wir haben zwar organisatorisches Know-how, doch das pädagogische Wissen hat die ANU“. Einig waren sich Dieckmann und Dänzer-Vanotti darin, dass  die Zusammenarbeit besonders zu Beginn nicht einfach war. Man fände aber inzwischen durch gegenseitigen Respekt und viele Gespräche immer besser zusammen.

Über 100 Gäste erlebten eineinhalb Stunden lang eine fesselnde Debatte, in der Gerd Hofielen vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V. das Verhältnis zwischen den Einnahmen von Konzernen und ihren Ausgaben für gemeinnützige Projekte bemängelte: „Was unter dem Nachhaltigkeitsaspekt in Großunternehmen passiert, findet leider nur in homöopathischen Dosen statt.“  Auch zahlreiche Gäste, von denen viele selbst in NGOs tätig sind, beteiligten sich mit engagierten Redebeiträgen an der Diskussion. Fazit des Abends: Ob und wie NGOs und Unternehmen gut kooperieren können, muss weiter diskutiert werden.

Über Leuchtpol:

Die gemeinnützige Leuchtpol GmbH ist eine bundesweit tätige Projektgesellschaft im Bildungsbereich. In ihrem Kern bietet sie mehrtägige kostenlose Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte aus dem Elementarbereich zu den Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) am Beispiel Energie und Umwelt an. Alleinige Gesellschafterin ist die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. (ANU). Die Entscheidungskompetenz über das konkrete Projekt, insbesondere über das pädagogische Konzept, seine Entwicklung und deren Umsetzung liegen ausschließlich bei der Leuchtpol-Projektgesellschaft. Das Institut für integrative Studien (infis) der Leuphana Universität Lüneburg begleitet und evaluiert Leuchtpol wissenschaftlich. Finanziell gefördert wird das Projekt von E.ON.

 
 





 

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